aktuell:

aktuell:

Mittwoch, 4. April 2012

Inka Loreen Minden alias Lucy Palmer alias Loreen Ravenscroft alias ???

Die Tagung war unglaublich langweilig.
Mach mich scharf! Erotische GeschichtenDie Stuhlreihen standen akkurat wie mit der Wasserwaage ausgerichtet. Am Eingang verteilten Wächterinnen der Spießigkeit identische Stifte und Blöcke.
Schaudernd überlegte ich, ob wir Teilnehmer als nächstes unserer Kleidung entledigt und in Uniformen gestopft würden. Vielleicht mit rasierten Schädeln.
Ich tastete verstohlen nach meinem Haar. Sicher war sicher. Am Ende hatte man mich auf meinem Hotelzimmer heimlich geschoren, als ich schlief.
Ich fing den Blick einer lachenden Rothaarigen auf. Offenbar ahnte sie, was in meinem Kopf vorging. Sie kam zu mir.
"Inka Loreen Minden", Potzblitz! Die Autorin von Romanen wie: LustPunkte, Engelslust, Gaylüste, uvm., die Autorin, die auch als Lucy Palmer schreibt (Mach mich scharf!, Mach mich wild!, Mach mich gierig!) oder als Loreen Ravenscroft "Blutflucht - Evolution"
Ich schüttelte ihre Hand. "Ivy Paul",
"Ich weiß, wir kennen uns von Facebook. Du bist auch ein Workaholic." Sie grinste und ich erwiderte die Geste.
Facebooker können das das regelmäßig auf meiner Seite nachlesen. *lach*
Außerdem war das Thema der Tagung: "Entspannung und Beibehaltung der Produktivität - speziell für Workaholics".
Ich schielte zu Inka Loreen. Vielleicht würde das Seminar doch noch interessant werden.
Wurde es auch. Mein Block füllte sich mit interessanten Aussagen --- Inkas Antworten zu meinem Interview.
Von den Vorträgen haben wir nicht mehr viel mitbekommen.
Wie das vereinzelte Schnarchen und das Gähnen um uns herum verriet, haben wir nichts versäumt ...


Guido Karp / p41d.com
Interviewfragen:

Du schreibst unter verschiedenen Pseudonymen. Warum?

Ursprünglich wollte ich Jugendbücher schreiben, aber irgendwie bin ich dann zur Erotik gekommen. Da ich die Genres strickt trennen möchte, aber dennoch einen Bezug zu meinem Namen will, habe ich lange getüftelt. Inka Loreen Minden ist nämlich ein Anagramm meines richtigen Namens. Lucy Palmer bin ich nur bei Blue Panther Books.

Als Inka schreibe ich Erotik und Homoerotik, zum Beispiel Gay Fantasy oder Gay Historicals.

Loreen Ravenscroft ist mein neustes Pseudonym für Romantasys (weniger Erotik, eher Liebesroman. Ich wollte meine Inka-Leser nicht verärgern, wenn sie plötzlich wesentlich weniger Erotik vorfinden). Mein Buch »Blutflucht Evolution« ist im Februar bei Elysion Books erschienen und eine romantische Dystopie für jung gebliebene Leser.

In Kürze wird es noch einen Namen geben, unter dem ich Jugendbücher veröffentliche, aber da habe ich mich noch auf keinen festgelegt.

Nächstes Jahr im März wird bei Rowohlt eine erotische Storysammlung herauskommen, die ich unter meinem Fast-Mädchennamen veröffentliche, da der Verlag gerne einen deutschen Namen auf dem Buch wollte. Die Geschichten spielen auch alle in Deutschland.


Monika Dennerlein aka Inka Loreen Minden aka Loreen Ravenscroft aka Lucy Palmer
Hast Du nicht manchmal das Gefühl schizophren zu werden?

Nö, nur muss ich aufpassen, dass ich beim Signieren nicht durcheinanderkomme, lach. Manchmal frage ich mich allerdings schon: Wer bin ich und wenn ja, wie viele.

Auch brauch ich immer eine Weile, bis ich in einen neuen Namen reinfinde, und merke, dass ich unter jedem Pseudonym ein klein wenig anders schreibe. Zum Beispiel schreibt Lucy ein bisschen direktere Erotik als Inka.

Mit meinem neuen Pseudonym (ich verrate schon mal die Initialen: MH) wird’s noch ein wenig »dreckiger« (liegt an den Vorgaben des Verlags), wobei ich aber stets auf eine niveauvolle Wortwahl wert lege und dass die Romantik und das Prickeln zwischen den Protagonisten nicht zu kurz kommen.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Jetzt kommt wohl der Standardspruch aller Autoren: Geschrieben habe ich schon, seit ich schreiben kann, und Schreiben bedeutet natürlich alles für mich. Es ist so wichtig wie die Luft zum Atmen. Meine ganz große Leidenschaft.

Der Freibeuter und die Piratenlady: Frivole Abenteuer auf hoher SeeSo richtig los ging es 2006, als ich »Blutflucht« schrieb. Ursprünglich war das Buch als Jugendroman gedacht. Nur kamen sich meine Helden plötzlich immer näher. Da habe ich bemerkt, dass es mir richtig Spaß macht zu beschreiben, wie es zwischen zwei Personen knistert.


Wolltest Du schon immer schreiben?
Ja, ich wollte und habe, seit ich Schreiben kann. In der ersten Klasse habe ich bereits meine eigenen Bücher gebastelt und mir Tiergeschichten ausgedacht. Etwas später habe ich Gedichte für eine Heimatzeitung geschrieben und bekam sogar ein Honorar in Form von Gutscheinen. Die durfte ich in diversen Geschäften einlösen. Davon hab ich mir einen Traum erfüllt: ein Skatebike (wird heute keiner mehr kennen ;-) Ich bin ja früher leidenschaftlich Skateboard gefahren und hatte auch sonst eher mädchen-untypische Hobbys.

Was reizt Dich an erotischer Literatur (schreiben/lesen oder beides)
Pure Erotiktitel lese ich längst nicht mehr, eher Romances, aber da darf es richtig zur Sache gehen. Ich liebe es, wenn sich zwei Protagonisten über Hürden langsam annähern und es dabei ordentlich knistert. Das versuche ich auch in meinen Geschichten wiederzugeben. Eigentlich schreibe ich nur das, was ich genau so auch gerne lesen würde. Prickelnde Erotik, viel Liebe und Leidenschaft sowie ein zuckersüßes Happy End.

Kannst Du vom Schreiben leben?
Mittlerweile ja, doch die ersten Jahre waren hart.

Wer liest Gay-Romance? Gibt es da eine spez. Zielgruppe oder ist die Leserschaft bunt gemischt?
Überwiegend Frauen von 14 – 99. Der Frauenanteil macht tatsächlich über 80% aus. Autorinnen schreiben Gay Romances speziell für Frauen, daher entsprechen die Männer in den Büchern oft nicht dem »echten« Schwulen. Allerdings habe ich auch einige männliche Fans, die sich einfach was zum Wegträumen wünschen und daher zu unseren (den Titeln von weiblichen Autoren) greifen. Der Männeranteil ist auch bestimmt deswegen geringer, weil Männer allgemein weniger lesen, zumindest Liebesromane fallen seltener in ihr Beuteschema, lach (oder die werden heimlich auf dem E-Reader bzw Smartphone gelesen, weil man da das Cover nicht sieht ;-)

Schläfst Du noch? Du bist unheimlich produktiv. Deine Veröffentlichungen sind beeindruckend. Erkennt Dich Deine Familie noch?
Sicher sehe ich schon aus wie ein Zombie, lach, zumindest komme ich mir wie einer vor.
Sinful Kisses - Sündhafte Küsse: gay historical romance
Ich arbeite etwa 80 Stunden in der Woche und brauche nur 6 Stunden Schlaf bzw mehr geht leider nicht. Liegt entweder an meiner Immun-Erkrankung (seit 12 Jahren leide ich an chronischer Mononukleose) oder ist erblich bedingt, denn in unserer Familie schlafen alle schlecht und wenig.

Wenn ich nicht am Computer sitze, bin ich trotzdem immer bei meiner Arbeit und mache Brainstorming. Außer, ich genieße die wenige Freizeit mit meiner Familie. Mein Mann hält mir sehr oft den Rücken frei, ansonsten würde das nicht funktionieren.



Wer sind Deine Lieblingsautoren/innen?
Da hab ich keine speziellen. Ganz früher, noch vor meinem Autorendasein, habe ich Stephen King verschlungen. Irgendwann entdeckte ich meine Leidenschaft für historische Liebesromane und ich fand die Bücher von Julia Quinn und Gaelen Foley sehr interessant und amüsant. Darüber fand ich dann auch zur Erotik.

Bei wie vielen Verlagen hast Du Dein MS eingeschickt, ehe es angenommen wurde?

Da ich wusste, dass es wie ein Sechser im Lotto ist, von einem »richtigen« Verlag veröffentlicht zu werden (also ein Verlag, der den Autor bezahlt, nicht umgekehrt ;-), habe ich meine ersten Geschichten gleich selbst herausgegeben. Mit positiver Resonanz. Daher dachte ich eines Tages: Ach, probier es doch einfach mal, bewirb dich bei einem Verlag, mehr als eine Absage kannst du ja nicht bekommen.

Also bewarb ich mich nur bei einem einzigen Verlag: Ubooks. Insgeheim rechnete ich mit einer Absage. Ich habe mir wirklich absolut keine Hoffnungen gemacht, weil ich ungefähr wusste, wie viele Manuskripte ein Verlag pro Monat bekommt und wie viele davon veröffentlicht werden.

Als bereits nach einer Woche die Zusage kam, war ich total platt.

Und dann kam eins zum andern, innerhalb ganz kurzer Zeit.


Wie lange brauchst Du für ein Manuskript?

Von der Idee bis zur Fertigstellung (Rohfassung, ohne Überarbeitung) vergehen etwa fünf Wochen bis drei Monate (je nach Länge), wenn mir nichts dazwischenkommt (zB Lektorate). Manchmal arbeite ich an mehreren Projekten parallel, wobei ich langsam merke, dass ich alt werde (lacht). Es ist mir nun lieber, wenn ich mich auf ein bis zwei Dinge konzentriere.

Die Überarbeitung selbst besteht aus mehreren Arbeitsschritten und braucht auch noch mal mindestens einen Monat. Allerdings lasse ich zuvor das Manuskript mehrere Wochen ruhen, damit ich Abstand bekomme. Als Autor steht man seinen eigenen Texten blind gegenüber, das ist einfach so. In dieser »Ruhezeit« haben es auch meine sehr geschätzten Testleser und eine Lektorin, mit der ich privat zusammenarbeite.




Liest Du viel? Was?
- Früher: Ja, ein Buch pro Tag.
Tödliches Begehren - Mortal Desire: Soft-SM-Roman
Heute (bedeutet, seit ich mit dem Schreiben meine Brötchen verdiene) bin ich schon glücklich, wenn ich dazukomme, ein Buch im Monat zu lesen. Dann darf es ein Liebesroman sein, mit einem guten Schuss Erotik. Hauptsache nichts, was mein Hirn überfordert. Ich mag mich wegträumen und unterhalten werden.



Hast Du Hobbys?
Früher: Lesen, Seidenmalerei

Heute: Seit über einem Jahr spiele ich Geige und versuche zu üben, wann immer ich ein paar freie Minuten abzweigen kann.



Was hilft Dir, Dich zu entspannen? Wo und wie findest Du Inspiration?



Ich versuche mich jeden Nachmittag eine halbe Stunde hinzulegen und zur Ruhe zu kommen. Da arbeite ich aber geistig weiter. Solange ich nicht im Tiefschlaf bin, schaltet sich mein Gehirn einfach nicht ab. Alles dreht sich immer nur um meine Arbeit, die Storys, die Protagonisten.

Wunderbar entspannen kann ich allerdings beim Putzen und Aufräumen, sprich: bei der Hausarbeit. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich kurz vor Mitternacht anfange, das Badezimmer zu putzen, um mich nach einem 12-Stunden-Tag »runterzufahren«.

Inspiration finde ich immer und überall. Leider, muss ich fast sagen, denn ich hab immer zu viele Ideen, die am liebsten alle auf einmal rauswollen. Meine Muse ist ein verdammter Sadist.



Hörst Du beim Schreiben Musik?
Ich brauche absolute Ruhe und höre auch sonst keine Musik. Hab ich noch nie, außer in meiner Jugend.


Hast Du schon ein neues Projekt in Planung?
Immer mehrere. Im Moment arbeite ich am Rowohlt-Buch, danach geht’s gleich wieder an Wächterschwingen 2, das ich leider unterbrechen musste, weil zwei überraschende Projekte dazwischenkamen. Meine Gay Romance Leser schreien auch nach Nachschub, die möchte ich in diesem Jahr zumindest mit einer Webnovelle versorgen. Und ein historischer Para wartet auch darauf, endlich mal beendet zu werden. Nur glaub ich nicht, dass ich das alles noch in diesem Jahr schaffe, denn es wird sicher wieder etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommen.

Hältst Du Lesungen?
Wenn man mich einlädt, versuche ich immer gerne zu kommen, sofern ich dazu nicht zu weit anreisen muss. Da ich keine Oma oder jemand anderen habe, der auf unseren Sohn aufpasst, ist das immer ein wenig kompliziert zu organisieren mit Babysitten und dem Job meines Mannes.

Ich habe zB schon ein paar Mal im Schwulen Kommunikationszentrum in München gelesen und eine Lesung in Münster (in einem Erotikgeschäft) ist auch geplant (die verbinde ich dann mit einem Besuch bei einem befreundeten Verleger :-)



Wie sieht Dein Alltag aus? Deine Schreibroutine?
Leider kann ich nicht den ganzen Tag an einer Sache bleiben, da ich »nebenher« noch Verlagsarbeiten erledige, Rechnungen schreibe, Bücher verschicke oder Cover mache, manchmal auch Lektorate, Social Media usw. und über 50 E-Mails wollen täglich auch beantwortet werden.
SUPERNOVAE - corporis voluptas: Drei erotische Geschichten aus fernen Galaxien
Frühmorgens, wenn alle außer Haus sind, hol ich erst mal meine E-Mails ab, beantworte aber nur die dringendsten sofort, den Rest im Laufe des Tages oder der Woche.

Dann besuche ich einige Seiten, auf denen ich regelmäßig vorbeisehe, aktualisiere meine Homepage, schau kurz auf Twitter oder Facebook vorbei.

Ab ca 9 Uhr fange ich mit der eigentlichen Arbeit an, bis ca 12.30 Uhr. Dann kommt mein Kind von der Schule, es gibt Essen. Während mein Sohn seine Hausarbeiten erledigt, gehe ich wieder an den Computer.

Bei Termindruck kann es vorkommen, dass ich von 8 Uhr morgens bis 23 Uhr fast nonstop vor dem Laptop sitze; viel mache ich am Wochenende. Ich habe einen wunderbaren Mann, der mir oft den Rücken freihält.

Warum lohnt es sich Autorin als Beruf zu wählen?

Hm, ich glaube dass es sich im Allgemeinen nicht lohnt, den Beruf zu wählen. Nur jeder hundertste Autor kann vom Schreiben leben. Ich weiß, dass ich eine Ausnahme bin und wirklich Glück hatte, dass alles so kam, denn in dem Geschäft gehört unheimlich viel Glück und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein einfach dazu. Man muss viel und sehr hart an sich arbeiten. Schreiben ist kein Zuckerschlecken, wie viele immer glauben. Es saugt einen aus, man muss bis an seine Grenzen gehen, immer an sich und seiner Schreibe arbeiten. Und es ist sehr viel Disziplin nötig, an der Story zu bleiben und nicht im Internet zu surfen. Übrigens eine unheilvolle Verlockung, die mich immer beim Recherchieren heimsucht, da ich oft von A nach B komme, sehr viele interessante Dinge entdecke und schon ist der halbe Tag wieder herum.



Liebe Ivy, ich bedanke mich sehr herzlich für das Interview! Hat Spaß gemacht!
 
Liebe Inka, vielen Dank für die erfrischenden, ausführlichen Antworten :-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen